Der Peloponnes in Griechenland: Nafplio

Kürzlich fragte mich jemand auf Instagram, ob ich eigentlich in Griechenland wohnen würde. Das konnte ich verneinen, allerdings nicht ohne die Berechtigung der Frage anzuerkennen. Das letzte Mal war schließlich keine zwei Monate her – wenn auch an anderer Stelle, auf dem Festland.

Diesmal hat es mich auf den Peloponnes verschlagen, Griechenlands größte und womöglich bekannteste Halbinsel südlich der Haupt- und Millionenstadt Athen, in charakteristischer »Hand-Form«. Erste Station: Nafplio (Ναύπλιο), knapp 15.000 Einwohner stark und recht stolz darauf, die erste Hauptstadt Griechenlands gewesen zu sein. (Google sagt: provisorisch für fünf Jahre. Aber wir wollen hier ja keinen Regionalpatriotismus infragestellen.)

Die Stadt selbst beeindruckt als zwar touristisch (auch von vielen Athenern) erschlossen, aber dennoch charaktervoll und schön anzusehen.

Enge Gassen mit schönen Steinböden, selbst im September noch teilweise voller Blütenpracht und in diesen Corona-Zeiten auch noch einigermaßen bezahlbar. Nachdem die eigentlich angestrebte Pension Riga, geführt von sympathischer Australierin mit inzwischen einigen Jahren in Griechenland, übers Wochenende belegt ist, finde ich direkt danach ein schönes Zimmer in der deutsch-griechisch geführten Pension «όμορφη πόλη (omorfi poli)», zu deutsch »hübsche Stadt«. In der Tat!

Entgegen meiner üblichen Agenda, morgens beim Bäcker eine Pita und einen Frappé zu kaufen, lädt mich die Betreiberin zum Sonntag noch ein, mein Frühstück auf dem Freisitz gen Gässchen zu mir zu nehmen. Pita gibt es natürlich nicht, dafür aber Frappé und eine womöglich deutsch beeinflusste, jedenfalls: recht reichhaltige, frische und leckere Auswahl.

Der erste Abend katapultiert mich gleich mitten in die Lebenskultur, die ich an Griechenland und seinen Menschen so sehr schätze: Ich bekomme den letzten Tisch in einer Taverne an der Hafenpromenade, auch wenn mich der Kellner geflissentlich und mehrmals darauf hinweist, dass durch die große Gruppe die Wartezeiten länger werden dürften. Solange ich meinen «misó kiló kókkino», also meinen ½l roten Hauswein bekomme, bin ich einverstanden, erwidere ich.

Den restlichen Abend über gibt es Livemusik und kollektiven Gesang, zu Meeresrauschen, gutem Essen und schummrig-gemütlicher Beleuchtung. Angekommen! Kulinarisch ist die Stadt insgesamt im Griechenlandvergleich etwas teurer aufgestellt, aber hält qualitativ mit – gut, dass der Tourismus auch so zahlreich aus dem Inland kommt. Am zweiten Abend probiere ich es auch mal zur »Nachfeier« meines Geburtstags mit einem großartigen Glas Wein aus Thessalien, der mir die Welt griechischer Weinkultur abseits des meist trinkbaren, aber wenig spektakulären Hausweins eröffnet. Ausgewogen, eigenständig, mit perfekt eingebundener Säure und einem runden Aromenprofil, das ich gar nicht erwartet hätte. Mit 9€ fürs Glas auch etwa zehnmal so teuer wie mein halber Liter Hauswein (… der hier zwischen 3-5€ kostet), aber auch eine ganz andere Liga.

Zum Abendessen gibt es für mich meist eine Kombination aus Kolokithokeftedes (Zucchinibällchen) und anderen kalten und warmen Mezedes: Zaziki, Melinzanosalata (Auberginensalat) oder Patates tiganites (traditionelle griechische Kartoffelspalten – nicht wirklich Pommes).

Meine liebsten Impressionen: